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Die zwölf Baugruppen eines Oldtimer-Gutachtens

Von Burkhard Nickerl · Zuletzt aktualisiert: · Lesezeit etwa 7 Minuten

Ein Wertgutachten zerlegt das Fahrzeug in zwölf Baugruppen und benotet jede für sich. So wird der Befund nachvollziehbar, vergleichbar und ehrlich. Worauf der Sachverständige bei jeder Baugruppe achtet.

Warum Baugruppen statt Gesamteindruck

Ein glänzender Lack verdeckt einen weichen Schweller, ein sauberer Motorraum sagt nichts über die Bremsleitungen. Deshalb bewertet ein Gutachten nicht das Fahrzeug, sondern nacheinander seine Bestandteile, jedes mit eigener Zustandsnote, Beschreibung und Fotos. Die Gesamtnote entsteht erst am Ende aus allen Einzelnoten. Die Einteilung in zwölf Baugruppen folgt der in Gutachten üblichen Vorlage; andere Bewertungsdienste fassen einzelne Gruppen zusammen oder teilen sie anders, die Prüfpunkte sind dieselben.

1. Karosserie inklusive Lack

Spaltmaße und Passung von Türen, Hauben und Kotflügeln, Verwerfungen im Blech, Sicken und Kanten, Rost an Radläufen, Schwellern, Türunterkanten und Fensterrahmen. Die Lackschichtdicke wird gemessen: Originallack liegt meist zwischen 80 und 150 Mikrometern, deutlich höhere Werte zeigen Nachlackierung oder Spachtel. Dazu Chromteile, Zierleisten, Dichtungen und Verglasung.

2. Unterboden

Rahmen oder tragende Struktur, Bodenbleche, Schweller von innen, Längs- und Querträger, Achsaufnahmen, Wagenheberaufnahmen. Geprüft wird auf der Hebebühne mit Lampe und Klopfprobe; Unterbodenschutz kann Rost verbergen und wird kritisch betrachtet. Frühere Schweißarbeiten werden nach Qualität beurteilt, nicht pauschal abgewertet.

3. Innenraum

Sitze, Polster, Türverkleidungen, Himmel, Teppich, Armaturenbrett, Instrumente, Lenkrad, Schalter und Verdeck. Originalität zählt: Ein nachgebautes Armaturenbrett oder ein falscher Bezug drückt die Note, auch wenn die Ausführung sauber ist. Gerüche nach Feuchtigkeit deuten auf undichte Stellen hin.

4. Motorraum

Stehwände, Radhäuser von innen, Batteriekasten, Bremskraftverstärker, Leitungen und Schläuche, Kabelbaum, Sauberkeit und Originalität der Anbauteile. Ein zu sauberer Motorraum kann eine Restaurierung zeigen oder Ölverlust kaschieren; der Sachverständige schaut nach beidem.

5. Motor, Kühler und Abgasanlage

Startverhalten kalt und warm, Leerlauf, Geräusche, Ölverlust, Kompression bei Verdacht, Zustand von Kühler, Wasserpumpe und Schläuchen, Temperatur nach Probefahrt, Abgasanlage auf Dichtheit und Korrosion. Bei Sammlerfahrzeugen zählt, ob der Motor der ursprünglich verbaute ist („Matching Numbers“).

6. Getriebe

Schaltbarkeit aller Gänge, Synchronisation, Geräusche unter Last und im Schiebebetrieb, Kupplung, Ölverlust an Wellen und Deckeln, bei Automatikgetrieben Schaltverhalten und Ölzustand. Antriebswellen und Differenzial werden hier mit beurteilt.

7. Fahrwerk

Federn, Dämpfer, Lager, Buchsen, Traggelenke, Stabilisatoren. Geprüft wird auf Spiel, Verschleiß und Ölverlust, dazu das Verhalten bei der Probefahrt: Geradeauslauf, Poltern, Nachschwingen. Tiefer- oder Höherlegungen gegenüber dem Original werden vermerkt.

8. Lenkung

Spiel am Lenkrad, Lenkgetriebe, Spurstangen und Köpfe, Lenkungsdämpfer, Manschetten, Servolenkung auf Dichtheit. Übermäßiges Spiel ist ein Sicherheitsmangel und wirkt sich unabhängig vom Alter auf die Note aus.

9. Bremsanlage

Bremswirkung und Gleichmäßigkeit, Zustand von Scheiben, Trommeln, Belägen, Leitungen und Schläuchen, Hauptbremszylinder, Handbremse. Verrostete Leitungen und poröse Schläuche sind häufige Befunde bei wenig gefahrenen Fahrzeugen. Bremsflüssigkeit wird auf Alter und Wassergehalt geprüft.

10. Räder und Reifen

Reifenalter anhand der DOT-Nummer (älter als zehn Jahre gilt als bedenklich, auch bei gutem Profil), Profiltiefe, Risse, Dimension und Freigabe, Felgen auf Schäden, Rost und Originalität, Radkappen und Radmuttern. Ein passender Reifensatz gehört zum Gesamtbild eines gepflegten Fahrzeugs.

11. Elektrik und Scheinwerfer

Funktion aller Verbraucher: Licht, Blinker, Hupe, Wischer, Instrumente, Heizung, Radio. Zustand des Kabelbaums, nachträgliche Verkabelungen, Lichtmaschine und Batterie, Scheinwerferreflektoren und Streuscheiben. Bastelarbeiten am Kabelbaum sind ein häufiger Grund für Abwertung und ein Brandrisiko.

12. Wertbeeinflussende Faktoren

Alles, was den Wert bestimmt, aber keine Baugruppe ist: Historie und Vorbesitzer, Dokumentation und Rechnungen, Originalität und Matching Numbers, Seltenheit der Ausführung, Sonderausstattung, Laufleistung, Zulassungsstatus, H-Kennzeichen, Auszeichnungen bei Concours-Veranstaltungen und der Markt für das Modell. Hier fließt ein, warum ein unrestauriertes Fahrzeug mit Patina mehr wert sein kann als ein perfekt restauriertes.

Was in jedem Fall dazugehört

Die Prüfpunkte beschreiben die gängige Praxis. Der Sachverständige entscheidet nach Fahrzeugtyp und Auftrag, wie tief er prüft; eine Demontage von Teilen gehört nicht zur Begutachtung.

Zwölf Baugruppen, ein Assistent

In Classiva bewerten Sie jede Baugruppe in derselben Reihenfolge, mit Note, Beschreibung und Fotos. Im PDF erscheint jede Baugruppe mit Notentabelle, die Gesamtnote als Matrix. Kostenlos in der Einführungsphase.

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